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Das war ihr Duktus: Was Angela Merkel sprachlich hinterlässt

Berlin, 18. August 2021. Mit der Bundestagswahl am 26. September geht die Ära einer Regierungschefin zu Ende: Angela Merkel beendet im September nach 16 Jahren als Bundeskanzlerin ihre politische Karriere. Sie regierte das Land in der Finanzkrise, der Flüchtlingskrise und neuerdings der Coronakrise, dabei prägte sie Politik – national und auch international – nachhaltig. Doch was wird die Kanzlerin sprachlich hinterlassen? Ihr Sprachstil und ihre Wortwahl gelten als sachlich und nüchtern, jedoch stets aufrichtig. Doch im typischen Merkel-Duktus überraschte sie bei Zwischenrufen auch mal mit Humor und verpasste den ein oder anderen sprachlichen Seitenhieb. Die Sprachlernexpert:innen der erfolgreichsten Sprachlern-App Babbel betrachten das sprachliche Erbe der Kanzlerin und ihre prägnantesten Formulierungen.

Merkels Sprachstil lässt sich in vielen Fällen als eher sachlich, nüchtern und kurioserweise entpolitisiert beschreiben – dahinter steckt jedoch Taktik: „Merkel und ihre Redenschreiber:innen nutzen das sogenannte „Framing“, also die sehr bewusste Wahl von Formulierungen zur Beeinflussung der politischen Debatte, allerdings ohne, dass diese Beeinflussung zu sehr auffällt“, sagt Maren Pauli, Head of Didactics bei Babbel. „Politische Kontroversen werden mit dieser Taktik nicht selten „wegmoderiert“. Besonders beliebt bei Merkel sind dabei Substantivierungen und Passivkonstruktionen, die sprachlich Abstand schaffen und Verantwortlichkeiten kaschieren, beispielsweise durch Formulierungen wiedie Entscheidungen wurden getroffen“, fügt Pauli hinzu.

„Das ist nicht mein Duktus“ (Reaktion auf Aussage von Westerwelle 2010)

In der Debatte um angemessene Hartz-IV-Bezüge sorgte Guido Westerwelle mit der sinngemäßen Aussage, wer dem Volk Wohlstand ohne Anstrengung verspricht, lade zu spätrömischer Dekadenz ein, für Empörung. Merkels Kommentar zu dieser polemischen Aussage war dann gewohnt nüchtern und sachlich und ist heute noch immer denkwürdig: „Ich habe klargemacht, dass das, was Guido Westerwelle gesagt hat, nicht meine Worte sind. Das ist nicht mein Duktus“. Und wer will schon mit jemandem streiten, der einen Duktus hat.

„Wir schaffen das!“ (über die Herausforderungen in der Flüchtlingspolitik 2015)

Der wohl berühmteste Satz der Kanzlerin entstand im Hinblick auf die steigenden Zahlen und die vermehrte Aufnahme von Geflüchteten in Deutschland bei der Bundespressekonferenz im August 2015: „“Wir haben so vieles geschafft – wir schaffen das!“ Der Satz wurde so zum Aushängeschild der neuen deutschen Willkommenskultur, provozierte jedoch auch intensive politische Auseinandersetzungen. Möglicherweise bediente sich Merkel dabei dem bekannten Erfolgsmotto Barack Obamas „Yes, we can“, mit dem er 2008 den Amerikaner:innen versicherte, er wolle die amerikanische Nation gerechter machen und für mehr Einigkeit sorgen.

„Das Internet ist für uns alle Neuland“ (Pressekonferenz zum Prism Überwachungsprogramm 2013)

Kaum ein Satz Angela Merkels, den sie auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit Barack Obama zum US-Überwachungsprogramm Prism formulierte, hat die Popkultur wohl so bereichert, wie dieser. Es gibt Songs, Remixe auf YouTube und unzählige Beiträge über ihn, zudem wird er als amüsante Referenz in Alltagsunterhaltungen eingebaut. Politikbeobachter sahen den Satz nicht zuletzt als Ausdruck der fehlenden Digitalkompetenz der Regierung. Doch eigentlich sollte der Satz ausdrücken, dass zwischen Sicherheit und Freiheit im Internet erst noch das richtige Gleichgewicht gefunden werden muss.

„Das hat mir einen großen Shitstorm eingebracht” (auf einer Tech-Konferenz 2018)

Als Angela Merkel auf dem Digitalforum 2018 über ihren Internet-ist-Neuland-Satz und über die negativen bis gehässigen Reaktionen sprach, sagte sie obigen Satz. Die Verwendung des Anglizismus „Shitstorm“, der im Deutschen inzwischen selbstverständlich gebraucht wird, hat im englischen Original einen deutlich vulgären Einschlag, weshalb Merkels Satz vor allem im Ausland für Furore sorgte. Manche wunderten sich darüber, dass eine langjährige Amtsinhaberin so grobe Worte in den Mund nehme. Andere feierten sie dafür: “I can die happy now that Merkel has used the word”, freute sich eine Redakteurin des Economist auf Twitter.

„Alternativlos“ (während der Eurokrise 2010)

„Alternativlos“ wurde zur Quintessenz der Eurokrise – die Rettung von Unternehmen und Banken, die Bewilligung der Griechenlandhilfen und der Beschluss der sogenannten Eurobonds – allesamt waren laut Merkel alternativlose Entscheidungen zur Rettung des Euro. „Alternativlos“ wurde zum Unwort des Jahres 2010, weil „es jeglichen politischen Diskurs ersticke“. Es suggeriert, dass es schon zu Beginn eines Entscheidungsprozesses keine Alternative gäbe und eine Diskussion daher unnötig wäre.

„Öffnungsdiskussionsorgien“ und Rede des Jahres 2020: Merkels Sprache während Corona

Als die Welt im Frühjahr 2020 erfuhr, was Pandemie bedeutet, bedienten sich viele Regierende weltweit zur Begründung ihrer Maßnahmen einer Kriegsrhetorik mit kämpferischen Metaphern. Der britische Premierminister Boris Johnson bezeichnete den Virus als „Feind“, US-Präsident Donald Trump sah sich selbst als „Kriegszeit-Präsident“ und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron stellte sich im „Kampf gegen einen unsichtbaren Gegner“. Entgegen ihrem eher sachlichen Sprachstil wurde Angela Merkel emotional und anschaulich. Merkels erste Fernsehansprache am 18. März 2020 ist hierfür exemplarisch. Eindringlich machte sie deutlich, dass steigende Infektionszahlen eine konkrete Gefahr für geliebte Menschen bedeuten („Es ist ernst“) und adressiert die Sorgen und Fragen der Menschen. Die Gründe für die nötigen Corona-Maßnahmen macht sie so transparent und nachvollziehbar. Die Rede sorgte auch international für Aufsehen und wurde später vom Rhetorik-Seminar der Universität Tübingen zur „Rede des Jahres“ gekürt.

Ein kommunikativer Fauxpas war jedoch die Formulierung der „Öffnungsdiskussionsorgien“, mit der in der Öffentlichkeit bei vielen der Eindruck erweckt wurde, Merkel wolle Diskussionen über Lockerungsmaßnahmen unterbinden.

Mit Humor durch schwierige Diskussionen

Merkel wurde mit den Worten zitiert: „Humor ist wichtig in der Politik. Ich lache jeden Tag mindestens einmal, sonst könnte ich diesen Job nicht machen.“ Obwohl Merkel nie als charismatische Rednerin galt, konnte sie durch politische Diskussionen auch mit Humor führen – oft trocken, aber ehrlich. Man erinnert sich an “Mit dem Kopf durch die Wand wird nicht gehen. Da siegt immer die Wand” oder an “Nicht jede heilige Kuh kann mit einem Prinzip gerechtfertigt werden.” Mit gut platziertem Humor kann ein politischer Redner seinem Publikum zugänglicher erscheinen oder die Argumente seiner Gegner abschwächen.

Angela Merkel wird wohl nicht als herausragendes Redetalent, wie etwa Obama, in Erinnerung bleiben. Durch ihren sachlichen, manchmal etwas zu formellen Sprachstil ist sie ihrer wissenschaftlichen Herangehensweise treu geblieben. So hat sie aber häufig eine gewisse Distanz geschaffen. Doch genau das war auch ihr Markenzeichen und die Welt hat immer zugehört. Sie hat sich nicht verstellt und wirkte immer authentisch und aufrichtig, was im Politikbetrieb keine Selbstverständlichkeit ist“, fasst Maren Pauli zusammen.

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Babbel verbindet das Wissen von Sprachlernexpert:innen mit neuester Technologie: Mehr als 60.000 Lektionen mit 50 Stunden Videoinhalt und 70 Podcast-Episoden in 14 Sprachen wurden von mehr als 150 Sprachlernexpert:innen individuell für verschiedene Ausgangssprachen und Lernbedürfnisse entwickelt. Live-Sprachunterricht, Spiele und Videos runden das Sprachlernerlebnis ab. Kontinuierlich wird der Lernfortschritt analysiert und einzelne Lektionen werden auf Basis zahlreicher Daten angepasst und optimiert. 

Mit Babbel kann jeder eine Sprache lernen – deshalb ist das Babbel-Team genauso vielfältig wie die Sprachkurse: 750 Mitarbeitende repräsentierenmehr als 60 verschiedene Nationalitäten, unterschiedliche Geschlechter, Herkünfte und Überzeugungen an den Standorten Berlin und New York. 2007 startete Babbel den Online-Sprachlernmarkt und ist heute, mit über zehn Millionen verkauften Abonnements, die erfolgreichste Sprachlern-App weltweit. Weitere Informationen unter www.babbel.de

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