Gesund arbeiten oder Wettbewerbsfähigkeit verlieren: Fünf Thesen, die betriebliches Gesundheitsmanagement neu definieren
Steigende psychische Fehlzeiten, knappe HR-Budgets und Fachkräftemangel zwingen Unternehmen zum Umdenken: Präventives Gesundheitsmanagement wird zum strategischen Hebel.
Die aktuellen Gesundheitsreporte sind eindeutig: Psychisch bedingte Fehlzeiten nehmen kontinuierlich zu und sind schon längst für Unternehmen ein ernstzunehmendes wirtschaftliches Risiko. Doch die oftmals langen Ausfälle sind vermeidbar. Denn viele Betroffene zeigen erste Belastungssignale schon Wochen oder Monate vor der Krankmeldung: Eine im Auftrag von Acture durchgeführte Studie des Forschungsinstitut Highberg aus dem Frühjahr 2025 zeigt, dass 83 Prozent* bereits seit Monaten unter der Situation gelitten haben. Aber nur 11 Prozent von ihnen wurden von ihrer Führungskraft darauf angesprochen. Vor diesem Hintergrund gewinnt präventives und planbares Betriebliches Gesundheitsmanagement (kurz BGM) eine strategische Bedeutung.
„Die Zahlen zeigen deutlich, dass frühzeitiges Handeln nicht nur sinnvoll, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit ist. Unternehmen sollten betriebliches Gesundheitsmanagement konsequent als Wettbewerbsfaktor verstehen“, so Alexander Hamacher, CEO von Acture in Deutschland.
Hamacher formuliert fünf Thesen, die das BGM in den kommenden Jahren maßgeblich prägen werden:
1. BGM wird vom „Nice-to-have“ zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor
Betriebliches Gesundheitsmanagement ist längst kein freiwilliges Zusatzangebot mehr. Angesichts von Fachkräftemangel und Personalmangel, steigenden Fehlzeiten und wachsendem Leistungsdruck entscheiden entsprechende Angebote zunehmend über Arbeitgeberattraktivität, Produktivität und langfristig dann auch über die Wettbewerbsfähigkeit. Unternehmen, die frühzeitig in BGB investieren, sichern nicht nur die Gesundheit ihrer Beschäftigten, sondern verschaffen sich einen messbaren Vorsprung im Wettbewerb um Talente.
2. Führungskräfte werden zur wichtigsten Stellschraube gegen psychisch bedingte Fehlzeiten
Gesundheitliche Einschränkungen kommen nicht von heute auf morgen, sondern entwickeln sich über einen längeren Zeitraum. Führungskräfte könnten frühzeitig gegensteuern. Doch fehlendes Wissen und entsprechende Tools, aber auch fehlende Zeit verhindern dies oft. Instrumente wie Signalkarten, Selbstchecks und strukturierte Führungs-Check-ins werden sich als Untestützung zunehmend durchsetzen. Ein Gespräch und die Implementierung von entsprechende Maßnahmen zur richtigen Zeit kann einen langen Ausfall durchaus verhindern. Unternehmen, die dieses Potenzial erkennen, werden massiv in Führungskräftetraining investieren, nicht als Zusatz, sondern um dies als Kernkompetenz zu etablieren. Kommunikation, Empathie und Belastungserkennung werden so zu Führungsbasiswissen.
3. Digitale Assistenzsysteme und Plattformen schließen die Präventionslücke
Wie viele Unternehmensbereiche sieht sich auch der HR-Bereich mit Budgetkürzungen konfrontiert. Daher wird digitale Prävention zukünftig zum zentralen Baustein der HR-Strategie. Mit weniger Budget und knappen HR-Ressourcen wird die Nachfrage nach skalierbaren, niedrigschwelligen, digitalen Angeboten steigen. Beispiele wie Acture zeigen: Plattformen, die verschiedenste Themengebiete wie Stress, Menopause oder gesunde Ernährung abdecken, machen Prävention verfügbar, rund um die Uhr. So können zudem individuelle Bedürfnisse abgedeckt werden, ohne dass sie zu spezifischen Zeiten wahrgenommen werden müssen.
4. Psychische Gesundheit wird zum strategischen Risiko und zum entscheidenden Faktor fürs Employer Branding
Zwischen 25 und 30 Prozent* aller Fehlzeiten sind psychisch bedingt, jeder Fünfte (20 Prozent) wechselt nach einer psychischen Auszeit sogar den Arbeitgeber. Hinzukommt, dass die psychische Gesundheit zunehmend ins gesellschaftliche Bewusstsein rückt und damit auch von HR in den Fokus genommen werden muss. Denn wer die psychische Gesundheit seiner Mitarbeitenden vernachlässigt, verliert nicht nur aktuelle Talente, sondern auch zukünftige. Ausfälle müssen durch das ganze Team kompensiert werden und das kostet. Prävention, psychologische Sicherheit und echte Fürsorge werden zu harten Wettbewerbsfaktoren, sowohl für Produktivität als auch für Attraktivität als Arbeitgeber.
5. Ganzjährige und ganzheitliche Gesundheitsprogramme verdrängen einzelne Angebote. Messbarkeit wird zum neuen Standard
Punktuelle Maßnahmen wie die Förderung einer Fitnessstudio-Mitgliedschaft greifen oft zu kurz und entfalten nur eine begrenzte Wirkung. In den kommenden Jahren werden Unternehmen zunehmend erkennen, dass strukturierte, ganzjährige und aufeinander aufbauende Gesundheitsprogramme deutlich wirksamer sind, um Mitarbeitende gesund zu halten. Klar definierte KPIs, wie zum Beispiel Fehlzeitenreduktion, Zufriedenheit, Nutzungshäufigkeit oder psychische Belastungsindikatoren, etablieren sich dabei als Standard im Betrieblichen Gesundheitsmanagement. Ziel ist dabei ein systematischer Ansatz, der Belastungen reduziert, Stabilität fördert und belastbare ROI-Nachweise für knappe HR-Budgets liefert.
Dieses Jahr wird einen Wandel von punktuellen Maßnahmen zu strategisch strukturierten, digital unterstützten, ganzheitlichen Gesundheitsprogrammen markieren, in denen mentale Gesundheit, Führungskompetenz und Mitarbeitenden-Einbindung zentral sind – und die gleichzeitig HR-Ressourcen effizient nutzen.
Quellen
* Acture. (2025, Juli). Von übersehenen Signalen zu struktureller Prävention (Orange Paper). Nijmegen: Acture. https://www.acture.eu/ressourcen/von-uebersehenen-signalen-zu-struktureller-praevention
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Betriebliches Gesundheitsmanagement, Fachkräftemangel, Gesundheit